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Der Franken profitiert vom Dollar-Verfall

Der Krieg gegen den Iran könnte für den US-Dollar einen Wendepunkt markieren. Die «alte» Partnerschaft zwischen den USA und Staaten im Nahen Osten bekommt Risse. Die Abrechnung von Öl in US-Dollar, eine Stütze der US-Hegemonie, wird in Frage gestellt. Davon könnte der Schweizer Franken profitieren.

Juni 2026 – Leitwährungen kommen und gehen, nur der Franken bleibt. Zugegeben, das klingt etwas pathetisch, ist aber vielleicht nicht ganz falsch. Denn Leitwährungen hat die Welt schon viele gesehen, im Moment ist das ja der US-Dollar, doch der Schweizer Franken als «Krisenwährung» hat schon länger Bestand. Im Gegensatz zum US-Dollar, der sich als globale Handelswährung «täglich» bewähren muss, geniesst der Franken den Ruf eines «sicheren Hafens», den er selbst dann hat, wenn er ihn gar nicht haben will. Er muss dafür nichts tun, während die US-Regierung sich um den Dollar als Leitwährung stets bemühen muss.

Der US-Dollar wird zur Leitwährung
Dass der US-Dollar als Leitwährung agiert, ist nämlich kein Zufall. Bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bemühten sich die USA, den Dollar als Leitwährung zu etablieren. Anfänglich gelang dies unter anderem durch die Garantie, dass jederzeit Dollar in Gold getauscht werden kann. Gold diente damals als Garant für die Stabilität des Dollars, und hatte damit einen enormen Reiz. In den 1970er-Jahren kam die Goldbindung, auch als Bretton-Woods-System bekannt, unter Druck. Unter anderem führten die Kosten für den Vietnam-Krieg zu einer Ausuferung des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits. Zudem forderten Länder wie Frankreich einen Tausch ihrer Dollarreserven in Gold. Diese Verpflichtung konnten die USA damals nicht erfüllen, weil schlichtweg nicht genügend Gold in den Tresoren lag. Die Goldbindung wurde daraufhin beendet. Um den US-Dollar dennoch attraktiv zu halten, unternahmen die USA grosse Bemühungen, den Rohstoffhandel und dabei insbesondere den Ölverkauf in Dollar abrechnen zu lassen. Die Zusage der Amerikaner an ölfördernde Länder im Nahen Osten, ihre Herrschaft notfalls militärisch zu unterstützen, führte dazu, dass Öl fortan in grossem Umfang in Dollar abgerechnet wurde, sozusagen als Gegenleistung für die militärische und politische Unterstützung.
Das sichert bis heute die Stellung des US-Dollars als globale Leitwährung. Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigen, dass der US-Dollar bei rund 90 Prozent aller Devisengeschäfte als eine der beiden gehandelten Währungen beteiligt ist. Das heisst, Länder tauschen ihre Währungen nicht untereinander, um etwa Rohstoffe zu handeln, sie nehmen den Dollar als Transaktionswährung. Jedes Land tauscht seine Währung in US-Dollar, erst dann wird gehandelt.

Der Dollar bekommt Konkurrenz
Doch die Bedeutung des US-Dollars als Leitwährung bekommt Risse. Auch wenn etwa Öl immer noch im grossen Stil in Dollar abgerechnet wird und im Gegenzug ölreiche Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Kuweit unter militärischem Schutz der USA stehen, die jüngsten Angriffe der USA auf den Iran haben das Vertrauen der arabischen Länder in den Schutz der Amerikaner zutiefst getroffen. Zwar ist der Iran politischer Gegenspieler etwa von Saudi-Arabien, doch die Saudis setzen vermehrt auf Kooperation statt Konfrontation. Das Land befindet sich in einem Transformationsprozess, der einen Umbau der Wirtschaft vorsieht, ein Krieg mit dem Iran ist da wenig hilfreich. Zudem, die USA scheinen ihre Verbündeten im Nahen Osten über den Konflikt mit dem Iran kaum zu informieren. Diese fühlen sich übergangen, was unter anderem dazu geführt hat, dass Saudi-Arabien den USA die Nutzung von Militärstützpunkten für Angriffe gegen den Iran zeitweise untersagt hat. Ein einmaliger Vorgang, der zeigt, dass die Partnerschaft Risse bekommen hat.

Noch ist es nicht so weit, doch fällt der Pakt, besteht für die Saudis auch kein Grund mehr, Öl in Dollar abzurechnen. Öl, dass nach Europa verkauft wird, könnte auch in Euro, Öl, das nach China verkauft wird, in Yuan fakturiert werden. So hat sich Saudi-Arabien dem Projekt «mBridge» angeschlossen, bei dem Zentralbanken wie die von China, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine digitale Plattform entwickeln, über die Geschäfte abgewickelt werden können. Als Transaktionswährung dient nicht der US-Dollar, sondern digitale Zentralbankwährungen. Da China wichtigster Teilnehmer ist, entfällt ein Grossteil der mBridge-Transaktionen auf den digitalen chinesischen Yuan. Manche Beobachter sprechen in diesem Zusammenhang auch schon vom «Petro-Yuan», der den Petro-Dollar vielleicht nicht völlig ablösen, ihm aber zumindest Konkurrenz machen könnte.

Ablösung einer Leitwährung ist kein Einzelfall
Ob es so weit kommt, ist nicht sicher, aber allein der Umstand, dass der US-Dollar nicht mehr unangefochten als Leitwährung akzeptiert wird, ist bemerkenswert. Bemerkenswert, aber nicht einmalig. Auch wenn die Vergangenheit kein Gradmesser für die Zukunft ist, bisher war es so, dass Weltleitwährungen nach grob 100 Jahren ins Wanken gerieten. Vor dem US-Dollar war das etwa das Britische Pfund, das von 1815 bis 1944/1945 als Weltleitwährung fungierte. Zur Erinnerung, das Pfund etablierte sich als Leitwährung, nachdem britische und preussische Truppen in der Schlacht von Waterloo Frankreichs Herrscher Napoleon besiegten. Der militärische Sieg und die damals in Grossbritannien startende industrielle Revolution, flankiert von der britischen Dominanz auf den Weltmeeren, begünstigten die britische Währung als Leitwährung. Auch an diesem Beispiel sieht man, Leitwährungen werden durch einen Mix aus militärischen, politischen und wirtschaftlichen Faktoren geboren. Sie sterben, wenn sich die Faktoren ändern. Für den US-Dollar könnte die Zeit also langsam knapp werden.

Wenn der Dollar «wackelt»
Das sieht beim Schweizer Franken als Fluchtwährung ganz anders aus. Er dient auch dann als Fluchtwährung, wenn er selbst und die Schweizer Wirtschaft darunter leiden. Denn die Kapitalflucht aus dem Ausland in die Schweiz lässt den Franken regelmässig stark aufwerten, was den Schweizer Export sehr belastet. Das geht sogar so weit, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Devisenmarkt interveniert, um den Franken zu schwächen, was aber kaum von dauerhaftem Erfolg sein kann. Vor allem dann nicht, wenn eine Leitwährung ins Wanken gerät und enorme Kapitalbeträge Richtung Schweiz wandern.

Ein solches Szenario halten einige Beobachter für durchaus möglich und verweisen dabei ebenfalls auf die Vergangenheit. In den 1930er-Jahren etwa verzeichnete der Franken grosse Kapitalzuflüsse, weil die damalige Leitwährung, das Britisch Pfund, unter Druck kam. Damals zerfiel nach und nach das britische Empire, Grossbritannien war nicht mehr die unangefochtene Weltmacht. Zwar konnte das Land siegreich aus dem Ersten Weltkrieg hervorgehen, das aber auch nur mit grosser Hilfe der Amerikaner. Das Pfund verlor seinen Glanz, die Weltwirtschaftskrise der 1930-er Jahre tat ihr Übriges. Es wurde in der Folge viel Geld in den Franken umgeschichtet, was ihn stark aufwerten liess.
Ähnliches sehen Experten in den kommenden Jahren, falls der Dollar weiter an Einfluss verliert. Es könnte zu einer langfristigen deutlichen Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar kommen.

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