April 2026 – Der Druck wächst. Im wahrsten Sinne des Wortes. Weil die USA und Israel den Iran angegriffen haben, stiegen die Ölpreise im März von 60 US-Dollar auf über 100 US-Dollar je Barrel. „Ölpreisschock“, titelten die Medien. Zurecht, denn der Ölpreis ist trotz sinkender Ölintensität in der Wirtschaft immer noch das „Zünglein an der Waage“. Richtig ist, dass heutzutage deutlich weniger Öl für die Produktion von Waren eingesetzt werden muss als früher. Das sieht man am Ölverbrauch pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts (BIP), oft als „Ölintensität“ bezeichnet. In den 1980er-Jahren lag die Ölintensität pro BIP-Einheit noch bei knapp 0.50 US-Dollar, heute bei unter 0.20 US-Dollar. Dennoch wird derzeit mehr Öl nachgefragt als je zuvor, über 100 Millionen Barrel am Tag, weil schlichtweg vielmehr Waren hergestellt werden. Das heisst, steigt der Ölpreis, hat das direkte Auswirkungen auf den Produktionsalltag und damit auf die Industrie.
Ausbau der Erneuerbaren Energien
Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, muss der Anteil der Erneuerbaren Energien deutlich erhöht werden. Denn nur die Erneuerbaren lassen sich quasi vor Ort produzieren, man ist nicht auf Einfuhr von „Weither“ angewiesen. Die Schweiz hat hier europaweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Immerhin produziert das Land rund 60 Prozent seines Strombedarfs mit Hilfe von Wasserkraft. Doch auch die Kernenergie spielt immer noch eine wichtige Rolle, knapp 30 Prozent steuert sie zum Schweizer Strommix bei. Dabei sind es vor allem die Erneuerbaren, die als günstigste Energiequelle gelten. Bei Sonne und Wind etwa belaufen sich die Gestehungskosten je Kilowattstunde in Deutschland je nach Anlage auf fünf bis zehn Euro-Cent. Ähnlich hoch dürften die Kosten je Kilowattstunde Wasserkraft in der Schweiz liegen. Der Atomstrom ist dagegen teurer, auch wenn es hierzu unterschiedliche Angaben gibt. Allgemein werden die Gestehungskosten für eine Kilowattstunde Atomstrom in der Schweiz mit sechs Rappen beziffert. In diesen Kosten sollen auch alle Ausgaben für Abbau und Endlagerung enthalten sein. Genau das wird aber von Kritikern bezweifelt. Insbesondere bei Neubauten kann wohl von Stromgestehungskosten von 30 bis 40 Rappen je Kilowattstunde ausgegangen werden, was deutlich über den Kosten für die Erneuerbaren Energien liegen würde.
Neue Dynamik unter den Energieversorgern
Doch die Erweiterung des Anteils an Erneuerbaren Energien kommt einem Kraftakt gleich. Denn mit der Errichtung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen allein ist es nicht getan. Parallel dazu müssen auch die Netzinfrastruktur ausgebaut und die Speicherkapazitäten erhöht werden. Das gilt auch für die Schweiz. Der Ausbau der Netzinfrastruktur gilt als zentrales Element der Energiewende in der Schweiz. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass rund zwei Drittel des circa 6’700 Kilometer langen Übertragungsnetzes 50 bis 80 Jahre alt sind und dringend erneuert werden müssen.
Das hat zu einer neuen Dynamik in der Branche der Energieversorger geführt. Galten sie lange Zeit eher als „Elefanten“ der Wirtschaft, grosse schwerfällige Konzerne, die nur über mittelmässiges Wachstum verfügen, haben die Erneuerbaren eine disruptive Kraft unter den Versorgern losgetreten. Der Wandel bei der Energieerzeugung hat das traditionelle Geschäftsmodell der grossen Versorgungsunternehmen im Kern erschüttert. Die Erneuerbaren haben die Wettbewerbssituation unter den Versorgern völlig verändert. Auch kleinere bis mittelgrosse Energieanbieter sind nun im Markt aktiv, sorgen für Wettbewerb und Transparenz.
Globaler Stromverbrauch wächst rasant
Disruptive Kraft ist auch nötig, sagen Beobachter. Nicht nur, dass die Erneuerbaren eine flexiblere und vielschichtige Netzinfrastruktur benötigen, zugleich steht die Welt vor einer Elektrifizierungswelle. Weil der Anteil der fossilen Energieträger wie eben Öl am globalen Energiemix aus Klimaschutzgründen unbedingt gesenkt werden muss, am besten gegen null, wird das, was vorher fossil angetrieben wurde, nun quasi unter Strom gesetzt. Die E-Mobilität ist dabei nur eine Facette, auch in der Industrie werden ganze Prozesse elektrifiziert. Eine Entwicklung, die alle Lebensaspekte der Menschen umfasst, wie ein schneller Blick in den heimischen Garten zeigt. Stand da früher ein mit Benzin angetriebener Rasenmäher, sind es heute Akkus, die bei der Gartenarbeit helfen. Dazu kommen noch einmal die zahlreichen neuen Rechenzentren, die überall aus dem Boden gestampft werden, die ohne Strom nicht laufen, und ohne die so etwas wie Künstliche Intelligenz gar nicht möglich wäre.
Und so wächst der Stromverbrauch weltweit, mit exponentieller Dynamik. Stieg dieser im Zeitraum 2015 bis 2020 um zusätzliche 2’400 Terawattstunden (TWh), waren es von 2020 bis 2025 schon zusätzliche 4’700 TWh. Bis 2030 rechnet man nun mit einem weiteren Bedarf von 5’400 TWh.
Energieunternehmen für Anleger
Die rasant steigende Nachfrage nach Strom und die Umstellung auf Erneuerbare Energien macht die Branche der Versorger zu einer der spannendsten auch an der Börse. Zu den grossen europäischen Stromversorgern gehören unter anderem E.ON, Enel, Engie, Iberdrola, RWE und TotalEnergies.