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Neues aus der Demenzforschung

Millionen von Menschen sind an Alzheimer/Demenz erkrankt.
Bislang gab es für sie nur wenig Hilfe. Das könnte sich nun ändern.

Dezember 2022 - Die Enttäuschung war gross als Roche vor wenigen Wochen die Ergebnisse aus einer Studie mit einem Medikament zur Behandlung von Alzheimer veröffentlichte. Der in Kooperation mit dem deutschen Biotechunternehmen Morphosys entwickelte Antikörper Gantenerumab konnte in zwei klinischen Studien zwar die Verschlechterung der Leistungsfähigkeit in einigen Bereichen wie Gedächtnis und Orientierungsvermögen bei den Probanden verlangsamen, aber insgesamt sei die Veränderung statistisch nicht signifikant gewesen, so Roche. Auch konnten die für Alzheimer typischen Eiweissablagerungen im Gehirn, die sogenannte Plaques, nicht so stark wie erhofft reduziert werden.

Für Roche und Morphosys ist das ein grosser Rückschlag, denn der Markt für Alzheimer-Medikamente wächst enorm. Alzheimer, das ist eine schwerwiegende neurodegenerative Erkrankung, bei der die Betroffenen zunehmend ihr Denk- und Erinnerungsvermögen verlieren. Dabei werden die Bezeichnungen Alzheimer und Demenz oft gleichbedeutend benutzt, was aber nicht ganz korrekt ist. Alzheimer ist eine Form von Demenzerkrankung, und zwar die weitaus häufigste. Eine andere Form der Demenzerkrankung ist etwa die vaskuläre Demenz.
Doch egal ob Alzheimer oder vaskuläre Demenz, Demenzerkrankungen waren bislang unumkehrbar und endeten mit dem Tod des Patienten. Dabei ist diese Art der Erkrankung weit verbreitet. Allein in der Schweiz dürften rund 130'000 Menschen von Demenz betroffen sein. In Deutschland sind es nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,6 Millionen Menschen, die meisten von ihnen mit einer Alzheimerdemenz. Die Zahl der Betroffenen steigt dabei täglich um 900 Patienten. Somit werden im Jahr 2050 voraussichtlich 2,4 bis 2,8 Millionen Menschen allein in Deutschland an Demenz erkrankt sein. Weltweit waren es 2010 über 35 Millionen Erkrankte, für 2030 liegen die Schätzungen bei über 65 Millionen Patienten.

Biogen und Eisaij melden einen Erfolg
Doch Rückschläge in der Medikamentenforschung gehören zum Alltag, insbesondere in der Demenzforschung. Da machen Roche und Morphosys keine Ausnahme. Doch es gibt auch Erfolge zu melden. Wie der derzeitige Stand bei Alzheimer-Medikamenten ist, zeigt das Beispiel des US-Pharmaherstellers Biogen und seines japanischen Partners Eisaij. Die beiden Konzerne hatten im September neue Daten aus einer Phase-III-Studie mit dem Antikörper Lecanemab veröffentlicht. Die Studie umfasste eine Gruppe von fast 1'800 an Alzheimer erkrankten Menschen. Die Probanden, die einen Antikörper-Wirkstoff erhielten, schnitten was ihre geistigen und motorischen Fähigkeiten anbelangt nach 18 Monaten signifikant besser ab als die Teilnehmer aus der Vergleichsgruppe, die über den gesamten Zeitraum nur Placebos einnahmen. Auch die wichtigsten weiteren Ziele seien erreicht worden, teilten die beiden Unternehmen im September mit. Darunter waren zusätzliche Tests zu der Bewältigung des Alltags der Patienten sowie die Reduktion von Ablagerungen von Plaques im Gehirn.
Ebenfalls in der Alzheimer-Forschung tätig ist Eli Lilly. Der US-Konzern will Mitte kommenden Jahres neue Studienergebnisse vorlegen. Zuletzt meldete der Konzern Anfang 2021 Ergebnisse aus einer Phase-II-Studie mit dem Antikörper Donanemab. Dieser konnte bei den Testpersonen zu einer signifikanten Verlangsamung der Abnahme der kognitiven Leistung führen.

Eli Lilly mit Ergebnissen im Frühjahr
An der Börse schaut man mit Argusaugen auf die Demenzforschung. So sprangen die Papiere von Biogen nach Bekanntgabe der guten Testergebnisse im September von 195 Dollar am Vortag auf über 280 Dollar. Hingegen verloren Roche und Morphosys deutlich. Anleger achten nun auf die Ergebnisse von Eli Lilly, die im Frühjahr 2023 veröffentlicht werden könnten. Doch auch Roche sollte man in Sachen Demenz nicht abschreiben. Zwar wurden erst einmal die laufenden Studien mit Gantenerumab nach dem jüngsten Misserfolg eingestellt, doch der Konzern arbeitet in anderen Bereichen in der Demenzforschung weiter, etwa bei der Diagnostik.

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