September 2026 – Die Entscheidung ist sinnvoll, dennoch war man überrascht: die US-Notenbank hat die Leitzinsen erhöht. Mitte September ging es um 0,25 Prozentpunkte nach oben, auf nun 3,75 bis 4 Prozent. Die Erhöhung ist sinnvoll, weil die Inflation in den USA seit einiger Zeit deutlich gestiegen ist. Im August lag sie bei 3,6 Prozent, so wie bereits im Vormonat. Kritiker warnen vor einer Verfestigung der Inflation, die mittelfristig deutliche negative Auswirkungen auf den Konsum haben könnte. Und dennoch ist die Anhebung stark umstritten, vor allem in der Politik. Allen voran US-Präsident Donald Trump reagierte aggressiv und wittert eine Verschwörung – verständlich, da seine Beliebtheit bei den US-Amerikanern deutlich am Schwinden ist. Das ist ein grosses Problem, denn im November stehen die Midterms an, die Zwischenwahlen. Auch wenn dabei nicht direkt über den Posten des US-Präsidenten abgestimmt wird, stattdessen geht es um die Zusammensetzung von Senat und Repräsentantenhaus, gelten die Midterms als wichtiger Stimmungstest für die Politik Trumps. Steigende Zinsen, und seien sie noch so sinnvoll, machen sich da relativ schlecht.
Das ist die eine Seite. Die andere, trotz wachsender Unsicherheiten für den Aktienmarkt überzeugen viele Unternehmen in den USA derzeit mit guten Zahlen und Aussichten. Die Berichtssaison für das zweite Quartal war in den USA eine der besten der vergangenen Jahrzehnte. Die Gewinne im S&P 500 liegen rund 50 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2025. Zwar ist dieser starke Zuwachs unter anderem durch Buchungseffekte bei den Quartalsgewinnen von Alphabet und Amazon verzerrt, doch selbst wenn man diesen Einfluss herausrechnet, liegt der Gewinnzuwachs im zweiten Quartal noch immer bei etwa 30 Prozent.
Die «Verteidiger» werden weniger
Den Unternehmen in den USA geht es also offensichtlich gut, was man auch an den Aktienkursen sieht. Leitindizes wie der Dow Jones und der S&P 500 haben im Laufe des Jahres Rekordniveaus erreicht, die sie nun seit einigen Monaten tapfer verteidigen. Dabei hat sich zuletzt jedoch eine Entwicklung herauskristallisiert, die Anleger vorsichtiger werden lassen sollte: die Marktbreite der «Verteidiger» der Rekordniveaus nimmt ab. Die Anzahl der S&P-Aktien, die über ihrem 200-Tage-Durchschnitt notieren, geht seit einiger Zeit deutlich zurück (siehe Grafik). Mitte September waren es nur noch rund die Hälfe der S&P-Papiere. Zum Vergleich, im Juli und August notierten noch über 70 Prozent der Aktien über ihrem 200-Tage-Durchschnitt.