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Flatrates – kalkulierbares Risiko

Pauschaltarife für Telefonie und (mobile) Daten haben vieles vereinfacht. Was früher Schwankungen unterlag, lässt sich heute gut kalkulieren. Das macht die Telekommunikationsbranche zu einem defensiven Investment.

Juli 2026 – Seit der Einführung der ersten Flatrate im Schweizer Telekommunikationsmarkt ist viel Zeit vergangen, doch die neue Abrechnungsmethode hat vieles verändert. Wir erinnern uns, im Jahr 2005 führte der Anbieter Orange unter dem Namen „Orange-Maxima“ die erste echte Mobilfunk-Flatrate in der Schweiz ein. Sie erlaubte das zeitlich unbeschränkte Telefonieren in das Schweizer Festnetz und in das eigene Orange-Mobilfunknetz. Es folgte 2012 die Swisscom, mit einer Flatrate für zeitlich unbegrenztes Surfen und Telefonieren in alle Netze. Für Vieltelefonierer damals ein Segen, für den heimischen Telekommarkt ein Aufbruch in neue Zeiten. Nach und nach wurde die Flatrate zum Standard, neben dem Festnetz eroberte sie auch den Mobilfunkmarkt und den Zugang zum Internet. Heute, über 20 Jahre später, ist die Flatrate allgegenwärtig und bietet zeit-, volumen- und zugangsunabhängige Pauschaltarife an. Für Summe X lässt sich so viel quatschen, chatten und surfen wie man will.

Flatrates schaffen Planbarkeit
Das ist nicht nur für den Verbraucher eine recht bequeme Angelegenheit, auch für die Telekommunikationsunternehmen, die die Flatrates anbieten, ist das eine feine Sache. Denn was in früheren Zeiten von der Lust und Laune der Konsumenten abhing – sie haben ja nicht immer und überall das Bedürfnis nach Kommunikation – wird dank monatlichen Pauschaltarif zu einer festen und kalkulierbaren Grösse bei den Geschäftszahlen. Diese Planbarkeit ist äusserst hilfreich bei der Budgetplanung, der Festlegung von Wachstumszielen und der Verwaltung der Betriebskosten. Stabile Cashflows geben Unternehmen das Vertrauen in Produktentwicklung, Support und Kundenerfolg zu investieren. Dies wirkt sich positiv auf die Kundenzufriedenheit aus.
Zudem helfen Flatrates dabei, die Kosten im Unternehmen zu senken. Individuelle Zahlungsabrechnungen entfallen, es wird pauschal berechnet. Die Fehlerquote fällt, Kunden sind zufriedener, Supportanfragen reduzieren sich.

Aus zyklisch wird defensiv
All das hat dazu beigetragen, dass aus der eigentlich zyklischen Telekommunikationsbranche eine defensive wurde. Was früher auch konjunkturellen Schwankungen unterlag, wird heute unter Wirtschaftsexperten als weitestgehend konjunkturunabhängig eingestuft. Es ist zwar richtig, dass der Telekommunikation auch in früheren Zeiten ein defensiver Charakter beigemessen wurde – getreu dem Motto «Telefoniert wird immer, egal wie es der Konjunktur geht», aber das ist eben nur bedingt richtig. Wenn es der Wirtschaft nicht gutgeht, wird allein schon im gewerblichen Bereich weniger telefoniert. Werden dann die Kosten pro Telefonat abgerechnet, schlagen konjunkturelle Schwankungen durchaus auf die Telekommunikationsunternehmen durch.

Mehr Nebenkosten als Nutzungsgebühr
Aber nicht nur Flatrates tragen dazu bei, die Telekommunikationsbranche zu stabilisieren. Auch der Umstand, dass heute nicht nur telefoniert wird, sondern vor allem die dauerhafte Nutzung des Internets im Vordergrund steht, trägt zum zunehmend defensiven Charakter der Telekommunikation bei. Über einen Provider wird ein Vertrag abgeschlossen, der einen Internetzugang gewährt. Der ist immer da, egal wie oft man das Internet am Ende benutzt. Abgerechnet wird meist über eine Flatrate, womit die Kosten weniger einer Nutzungsgebühr entsprechen als vielmehr einer Art Nebenkostenposition, wie sie häufig in Mietwohnungen erhoben wird. Nebenkosten fallen an, egal ob man für sie verantwortlich ist oder nicht.

Swisscom, Deutsche Telekom und Vodafone
Wie beliebt Flatrates in der Schweiz sind, zeigt unter anderem ein kurzer Blick auf die Statistik. Laut der Eidgenössischen Kommunikationskommission «ComCom» wird seit vielen Jahren die Marktdynamik im Wesentlichen vom Abonnementenmarkt getragen. Dabei sind zahlreiche Nutzer von Prepaid-Angeboten auf Postpaid-Produkte umgestiegen. Der Anteil der Kundschaft mit Abonnement erhöhte sich von 63 Prozent im Jahr 2015 auf über 84 Prozent im Jahr 2024. Postpaid-Verträge beinhalten fast immer auch Flatrates, während das bei Prepaid nicht zwingend der Fall sein muss.
Marktführer in der Schweiz in Sachen Flatrates ist die Swisscom, mit einem Anteil von über 50 Prozent beim Mobilfunk. In Deutschland ist es die Deutsche Telekom, die mit rund 28 Millionen Postpaid-Kunden den Markt anführt, gefolgt von Vodafone mit knapp 20 Millionen Postpaid-Verträgen (Stand: 1. Quartal 2026).

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