Nie zuvor gab es einen grösseren Hype um ein IPO. Das sind die wichtigsten Fakten, die Sie wissen sollten.
In wenigen Tagen ist es soweit, am 12. Juni soll SpaceX sein Börsendebüt geben. Die Vermarktung beginnt am 4. Juni, wobei das Unternehmen von Elon Musk die geplanten Details bekanntgibt, wie die Zahl der zu verkaufenden Aktien und die Emissionsspanne. Je nach dem Interesse der Investoren sollen die endgültigen Daten, allen voran der Ausgabepreis, am 11. Juni verkündet werden.
Laut Presseberichten will das Unternehmen einen Emissionserlös von rund 75 Milliarden Dollar erzielen, während sich der Börsenwert auf insgesamt 1,75 Billionen Dollar belaufen soll. Damit wären die IPO-Einnahmen mehr als doppelt so hoch als jene 29,4 Milliarden Dollar, die der bisherige Spitzenreiter, der Ölmulti Saudi Aramco 2019 bei seinem Debüt eingesammelt hatte.
Damit würde sich der Free Float bei SpaceX auf 4,3 Prozent belaufen, während der Konzern gemessen am Börsenwert Rang 7 im S&P 500 erreichen würde, vor Tesla mit aktuell 1,6 Billionen Dollar.
SpaceX ist ein US-amerikanisches Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmen, das 2002 von Elon Musk gegründet worden ist. Es ist vor allem für die Wiederverwendung von Raketenteilen bekannt, wodurch Raketenstarts bei Weitem nicht mehr so teuer sind wie früher. Das Geld aus dem IPO soll in massive Investitionen gesteckt werden, vor allem im Bereich KI.
Das Geschäft ist in 3 Bereiche aufgeteilt: Raumfahrt, Konnektivität und KI. Beim Thema Konnektivität geht es um die Tochter Starlink, die rund 9’600 Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn betreibt, und Internet- sowie Mobilfunkdienstleistungen anbietet. Dabei hat sich die Zahl der Kunden im Jahr 2025 verdoppelt auf 8,9 Millionen, zum Ende des ersten Quartals 2026 ist sie dann auf 10,3 Millionen angewachsen.
Beim Thema KI geht es um die Tochter xAI, die SpaceX Anfang 2026 gekauft hat. Sie besteht hauptsächlich aus der Tochter X (ehemals Twitter) und dem KI-Chatbot Grok. Dabei baut xAI die Rechenleistungskapazitäten massiv aus, wobei innerhalb weniger Jahre Rechenzentren im All betrieben werden sollen, zumal dort praktisch kostenlose Sonnenenergie zur Verfügung stehe.
Rote Zahlen
2025 ist der Umsatz von SpaceX um 33 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar gestiegen. Dabei fiel ein Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 2,6 Milliarden Dollar an, nach einem EBIT-Gewinn von 466 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.
Die stark gestiegenen Investitionen haben den Cashflow erheblich belastet. Jener aus dem operativen Geschäft lag bei 6,8 Milliarden Dollar. Abzüglich der Investitionen von 20,7 Milliarden Dollar stand ein Free Cashflow von minus 14,0 Milliarden Dollar zu Buche.
Im ersten Quartal 2026 ist der Umsatz dann um 15,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar geklettert. Dabei wurde ein EBIT-Verlust von 1,9 Milliarden Dollar erwirtschaftet, nach einem EBIT-Gewinn von 27 Millionen Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Gewinnlieferant von SpaceX war dabei die Starlink-Tochter, mit einem EBIT-Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar. Er wird allerdings mehr als aufgezehrt durch einen EBIT-Verlust von 2,5 Milliarden im KI-Geschäft, sowie einem EBIT-Verlust von 662 Millionen Dollar im Raumfahrtbereich.
Gigantische Ambitionen
Wo soll künftig das Wachstum bei SpaceX herkommen? Laut dem IPO-Prospekt – und damit laut Musk – aus dem KI-Bereich. Demnach wird für ihn ein weltweit adressierbarer Markt von 26,5 Billionen Dollar gesehen – davon 22,7 Billionen Dollar für Unternehmensanwendungen -, von insgesamt 28,5 Billionen Dollar für SpaceX insgesamt. Vom Rest entfallen „nur“ 370 Milliarden Dollar auf den Raumfahrtbereich, und 1,6 Billionen Dollar auf den Bereich Konnektivität.
Im Klartext: SpaceX ist nicht etwa eine Wette auf das Raumfahrtgeschäft, sondern eine auf einen anhaltend boomenden KI-Markt.
Allerdings stehen keinerlei Zeitangaben für den adressierbaren Markt im Prospekt. Bei einem derartig gigantischen Markt für den KI-Bereich müssen allerdings eine Menge im Weltraum aktive Rechenzentren gebaut werden.
Musk hält derzeit 85,1 Prozent der Stimmrechte an dem Unternehmen, zumal er viele Class B-Aktien besitzt, die das 10-Fache an Stimmrechten im Vergleich zu A-Aktien innehaben. Musk wird auch nach dem Börsengang die Stimmenmehrheit behalten und kann damit ganz alleine über die Zukunft von SpaceX entscheiden.
Und nun bin ich gespannt, mit welchen Andeutungen SpaceX den Hype um das IPO in den nächsten Tagen weiter anheizen wird.
Egmond Haidt
Der Autor dieses Beitrags, Egmond Haidt, arbeitete nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium ab 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit Juli 2013 ist der Finanzjournalist als Freiberufler tätig. Jeden Dienstag ab 18 Uhr analysiert er die neuesten Entwicklungen am Finanzmarkt in seinem Webinar «Euer Egmond».
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